PMMB005: Ich rechne dann mal die Toleranzen nach – Die Rolle des Projektleiters

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Keine Angst, die Episode beschäftigt sich nicht mit den Untiefen der Toleranzrechnung. Dieses mal geht es eher um die Rolle des Projektleiters. Dabei ist aus meiner Sicht wichtig zu verstehen, dass es sich um eine Rolle handelt und gerade in technischen Projekten haben wir sehr oft die Situation, dass die Person, die Projektleiter ist, noch andere Hüte aufhat.

Was es damit auf sich hat, wie man damit umgehen kann und welche Aufgaben ein Projektleiter so hat, erkläre ich Dir in dieser Episode.

Hierzu habe ich die Episode wie folgt strukturiert:

  1. Rolle des Projektleiters
  2. Aufgaben des Projektleiters
  3. Eigenschaften eines Projektleiters
  4. Fähigkeiten eines Projektleiters
  5. Meine Fragen an Dich zum Weiterdenken

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Ich rechne dann mal die Toleranzen nach – Die Rolle des Projektleiters

Du hast dich vielleicht gewundert über den Titel der heutigen Episode. Ich habe sie ja genannt „Ich rechne dann mal die Toleranzen nach.“ Und ja, vielleicht hast du dir gedacht „Was hat er denn dieses Mal vor?“ Keine Angst, es wird keine technische Episode, wir werden jetzt nicht in die Tiefen der Toleranzrechnung absteigen. Ich muss auch gestehen: Ich habe das vor vielen Jahren einmal gelernt, ich kann das heute aber nicht mehr.

Der Rückzug auf das was man gut kann

Wie kommt es denn nun zu diesen Toleranzen? Den Satz „Ich rechne dann mal die Toleranzen nach.“ habe ich vor ein paar Wochen gehört, als ich bei einem neuen Kunden ein Projekt betreut habe. Es war ein kritisches Projekt, wir hatten technische Schwierigkeiten. Und die Teammitglieder haben sich dann irgendwann beschwert, dass sie keine Transparenz über die Terminschiene haben, über das, was ansteht, wann denn was fertig sein soll, dass sie die Arbeitspakete nicht kannten. Und meine Aufgabe in dem Projekt war, den Projektleiter zu unterstützen, zu coachen – und genau dieser Satz ist dann gefallen, und zwar vom Projektleiter. Als es so richtig kritisch wurde und, ja, die Stimmung auch so ein bisschen heißer wurde, hat sich der Projektleiter zurückgezogen genau mit diesem Satz „Ja, ich rechne dann mal die Toleranzen nach.“

Wie kam es dazu? Also, es war ein technischer Projektleiter, war Ingenieur – wie ich ja auch – hatte gute Leistungen im Unternehmen gebracht, wurde sozusagen befördert zum Projektleiter und hat sich eben in dieser, ja, komplexen Situation zurückgezogen auf das, was er gut konnte, was er, ja, beherrschte, und zwar Toleranzen nachrechnen. Und meine Beobachtung war, dass er an der Stelle tatsächlich etwas überfordert war, nicht wirklich wusste, was er tun sollte, was die Erwartung seiner Teammitglieder an ihn als Projektleiter ist. Und naja, er hat einfach das gemacht, was er gut konnte: Er hat sich in den technischen Bereich zurückgezogen.

Grund genug, aus dieser Geschichte heraus sich einmal in dieser Episode Gedanken zu machen, was denn ein Projektleiter eigentlich so machen sollte, was denn seine Aufgabe ist, und was vielleicht eher auch nicht. Wir werden also uns in dieser Episode zum einen einmal mit der Rolle Projektleiter beschäftigen, und wir werden uns auch in einem zweiten Schritt dann mit den Aufgaben eines Projektleiters beschäftigen. Was sollte er denn so alles tun? Wir werden uns einmal damit ein bisschen auseinandersetzen: Welche Eigenschaften sollte denn so ein Projektleiter haben? Vielleicht auch so ein idealer Projektleiter? Und wir werden im vierten Schritt dann einmal schauen: Welche Fähigkeiten und Kenntnisse sollte denn unser Projektleiter eigentlich mitbringen? Und zum Schluss wie gehabt meine Fragen für dich zum Weiterdenken.

Eine Rolle ist kein Arbeitsplatz

Dann steigen wir doch gleich einmal ein und beschäftigen uns ein wenig mit der Rolle des Projektleiters. Und du hast es eben schon am Wording gehört, das ist mir wichtig: Es geht hier um eine ROLLE. Und eine Rolle ist etwas, in das man schlüpfen kann, und es beschreibt sozusagen – vor allem im Projekt – eine temporäre Funktion. Und es beschreibt KEINEN Arbeitsplatz. Also es ist keine Arbeitsplatzbeschreibung. Kann es durchaus sein, ist es in der Regel aber NICHT, vor allem in Projekten, in denen wir zugange sind, wenn es darum geht technische Komponenten zu entwickeln. Ganz wichtig: Wir reden über eine Rolle. Und eine Rolle, wenn man über Rollen spricht, dann spricht man unter anderem auch von Teilbarkeit und Kombinierbarkeit. Was heißt das?

Teilbarkeit und Kombinierbarkeit

Also, Teilbarkeit bedeutet, mehrere Personen können in einem Projekt die gleiche Rolle wahrnehmen. Das hast du zum Beispiel, wenn du Konstrukteure hast in einem großen Projekt. Konstrukteur ist eine Rolle und du hast mehrere Konstrukteure, die arbeiten an verschiedenen Teilen deiner Maschine. Das heißt, mehrere Personen haben die gleiche Rolle, haben damit auch gleiche Aufgaben, haben gleiche Entscheidungskompetenzen, haben gleiche Verantwortlichkeiten. Das heißt, diese Rolle wird einfach aufgeteilt. Bei Kombinierbarkeit redet man davon, dass eine Person gleichzeitig mehrere Rollen wahrnehmen kann. Und in technischen Projekten, im Unternehmen des Maschinenbauers, in Projekten des Maschinenbauers ist das sehr oft so, dass zum Beispiel die Person, die die Rolle des Projektleiters wahrnimmt, noch andere Rollen inne hat. Sie ist zum Beispiel gleichzeitig noch Konstrukteur, sie ist gleichzeitig noch Verfahrensentwickler im Projekt, oder – ganz, ganz oft – Systementwickler. Oft sind es die Systemingenieure, die noch die Projektleiterrolle oder den Projektleiterhut mit aufkriegen, weil sie eh den Überblick über das Projekt haben sollten technisch gesehen. Und der Projektleiter sollte, ja, organisatorisch und abwicklungsorientiert den Überblick über das Projekt haben. Es ist nichts Schlimmes, mehrere Hüte aufzuhaben, mehrere Rollen innezuhaben. Es muss dir einfach nur bewusst sein, dass es so ist. Leider ist das oft nicht ganz so.

Mach Dir klar, welche Rolle Du gerade hast

Also, wenn du Projektleiter bist: Mach dir bitte bewusst, ob du noch weitere Rollen hast, deren Aufgaben du ebenfalls noch erfüllen musst und ja, welche Anforderungen von der Seite auf dich zukommen. Ich glaube, es ist wichtig, dass du lernst, zu unterscheiden, welche Rolle du in einem Projekt gerade hast. Vor allem zum Beispiel in Besprechungen. Da kann es sein, wenn du mehrere Rollen hast – zum Beispiel Projektleiter und Konstrukteur – dass du während einer Besprechung, während einer Sitzung hin und her springen musst. Und das ist natürlich deinem Gegenüber sehr oft nicht wirklich bewusst, weil du zum Beispiel unterschiedliche Prioritäten hast. Als Konstrukteur hättest du zum Beispiel gerne mehr Zeit, um die Zeichnungen zu verbessern, die Konstruktion zu verbessern und so weiter – als Projektleiter hast du jedoch den Terminplan im Blick und erkennst, dass dafür eigentlich keine Zeit mehr bleibt, da der Termin zum Beispiel für eine Zeichnungsdurchsprache mit dem Kunden demnächst ins Haus steht. Du siehst: Da können jetzt innere Konflikte auftreten. Die sind dir vielleicht sogar noch transparent und bewusst, wenn du dir vorher Gedanken über deine Rolle gemacht hast, deinen Teammitgliedern aber nicht.

Also, gar nicht so leicht, mehrere Rollen innezuhaben. Mein Tipp an der Stelle: Mach es transparent. Erkläre deinem Projektteam „Ich habe mehrere Rollen. Ich bin Konstrukteur, ich bin Systemingenieur, UND gleichzeitig noch Projektleiter. Das heißt, ich werde einmal so und einmal so reagieren. Und wir werden immer wieder drüber sprechen müssen, welche Rolle ich gerade habe, warum ich gerade so argumentiere.“ Also, es hilft, es dir bewusst zu machen, dass zu mehrere Rollen inne hast. Es hilft, dir bewusst zu machen, welche Rollen das tatsächlich sind, und zu welchem Zeitpunkt du welche Rolle auch wahrnimmst – und zwar nicht nur dir selber bewusst zu machen, sondern auch deinem Team gegenüber.

Die Rolle des Projektleiters

Kommen wir einmal zurück auf den Projektleiter und auf die Rolle des Projektleiters und die Aufgaben, die ein Projektleiter aus meiner Sicht so wahrnehmen sollte.

Ich sammle in meinen Seminaren meistens so gegen Ende ganz gern einmal die Aufgaben des Projektleiters, um bei der Gelegenheit auch noch einmal so ein bisschen, ja, den Teilnehmern die Chance zu geben, über die Seminarinhalte nachzudenken. Das ist für mich auch noch einmal so ein Punkt, wo ich überprüfen kann: Welche Sachen sind wie angekommen? Und da kommt dann meistens so eine Liste heraus, die, naja, so die folgenden Aufgaben so ein bisschen enthält: Also, er sollte das Projekt gemeinsam mit dem Team planen. Es ist die Aufgabe des Projektleiters, das Projekt aufzuplanen. Also, er sollte die Arbeitspakete identifizieren, zum Beispiel mit einer Projektstruktur. Wie das geht, haben wir in einer der vorhergehenden Episoden schon einmal diskutiert. Er sollte Termine planen. Er sollte Kosten, Ressourcen, Investitionen und so weiter und so fort planen.

Das heißt, Aufgabe des Projektleiters ist es, gemeinsam mit dem Team – das hast du schon gemerkt, das ist mir sehr wichtig – gemeinsam mit dem Team das Projekt in all seinen Facetten aufzuplanen. Und ich glaube, es kann auch eine Aufgabe des Projektleiters sein, das Team zusammenzustellen, also Teammitglieder auszuwählen und die für die Erfüllung der Aufgabe im Projekt erforderlichen Rollen zu identifizieren. Sehr oft hast du nicht die freie Wahl, wen du in deinem Projekt haben kannst, sondern du kriegst sie eben zugeteilt. Manchmal darfst du auch so ein bisschen auswählen.

Eine weitere Aufgabe des Projektleiters ist es, das Projekt zu steuern. Also Termine zu verfolgen, Maßnahmen einzuleiten, Kosten und Ressourcenverbrauch zu verfolgen und entsprechend zu agieren, Investitionshöhen zu verfolgen und so weiter und so fort. Du merkst, das spiegelt sich jetzt hier sehr stark an dem, was wir vorher geplant haben. Also, Projekt steuern kommen wir noch einmal in einer späteren Episode drauf, was das eigentlich genau heißt. Einmal so ganz kurz zusammengefasst: Heißt, immer wieder so einen Plan-Ist-Vergleich zu machen, um zu kucken „Was ist da passiert?“, und dann gegebenenfalls Maßnahmen einzuleiten.

Weitere Aufgaben des Projektleiters: Risiken zu steuern. In der letzten Episode haben wir über Risiken gesprochen. Das heißt, Aufgabe des Projektleiters ist es, gemeinsam mit seinem Team Risiken zu identifizieren, Maßnahmen einzuleiten, die dann auch zu verfolgen – also die Risiken und die Maßnahmen – und, das gesamte Risikobild, sage ich einmal, im Blick zu behalten.

Eine Aufgabe, die aus meiner Sicht sehr wichtig ist, ist: Für Kommunikation im Projekt sorgen. Das heißt, eine entsprechende Kommunikationsstruktur zu erstellen, also sich zu überlegen: Wer spricht wann mit wem in welchem Rhythmus zu welchem Thema?

Ich glaube, es ist auch die Aufgabe, Teamsitzungen zu organisieren UND gegebenenfalls auch zu leiten. Nicht alle, aber zumindest die Kernteamsitzungen? Da denke ich schon das ist die Aufgabe des Projektleiters. Ich glaube nicht, dass er alle, ja, Teilprojektteamsitzungen leiten muss, dafür haben wir schließlich die Teilprojektleiter, aber er muss zumindest dafür sorgen, dass sie organisiert sind und auch stattfinden.

Und für Kommunikation sorgen heißt für mich auch, dafür sorgen, dass Informationen verfügbar sind, Protokolle, Entscheidungen und so weiter und so fort.

Ganz wichtig: Entscheidungen herbeiführen

Kommen wir zu Entscheidungen. Ich habe es eben schon gesagt. Ist glaube ich eine weitere Aufgabe eines Projektleiters, für Entscheidungen zu sorgen. Ganz wichtig, wie ich es gerade formuliert habe: Für Entscheidungen zu sorgen. NICHT selbst zu entscheiden. Das ist zwar manchmal notwendig, aber für Entscheidungen zu sorgen heißt aus meiner Sicht, Entscheidungen aus dem Projektteam heraus zu erzeugen. Das ist eine starke Verknüpfung mit dem Thema davor, Kommunikation, Information: Ich glaube, um gute Entscheidungen treffen zu können, brauche ich möglichst viele Informationen über das Projekt, über den entsprechenden Fall, den ich da entscheiden möchte, und auch über das Umfeld. Und ja, ich muss als Projektleiter dafür sorgen, dass diese Informationen da sind, dass sie da sein können. Und ich darf dann auch gerne dafür sorgen, dass diese Entscheidung im Team heraus, aus dem Team heraus getroffen wird. Und ja, manchmal muss ich auch Entscheidungen von meinem Auftraggeber, von meinem Lenkungskreis einfordern.

Eine weitere Aufgabe des Projekteiters ist es, denke ich, das Projektteam zu führen, also für klare Ziele zu sorgen, ja, ein Stück weit auch die Motivation hochzuhalten, klären, wie Spielregeln sind. Also wer darf was entscheiden? Wie informieren wir im Projekt? Vielleicht auch vorher schon einmal diskutieren: Wie gehen wir denn mit Situationen um, in denen wir unterschiedlicher Meinung sind? Wie regeln wir denn so etwas? All das sind Dinge, die aus meiner Sicht, ich sage einmal in das Ressort des Projektleiters fallen.

Ich denke, die Aufgabe des Projektleiters ist es auch, Projekte oder sein Projekt im Unternehmen zu vertreten. Natürlich nicht allein. Dafür haben wir das ganze Projektteam. Aber zu allererst. Das ganze Team vertritt das Projekt, aber, ja, der Projektleiter ist so ein Stück weit der Ansprechpartner des Unternehmens, wenn es um das Projekt geht. Und damit ist er, sage ich einmal, der erste und ja, vielleicht auch oberste Vertreter des Projektes im Unternehmen.

Und, naja, wir haben jetzt schon viel über Auftraggeber und Projekt vertreten gesprochen, er sollte natürlich auch über das Projekt berichten. Das ist eine seiner Aufgaben. Ganz klassisch ein Projektreporting an den Auftraggeber oder den Lenkungskreis, aber auch ein Bericht an den Kunden beziehungsweise wer auch immer hier in der vertikalen Kommunikation eingebunden werden soll.

Du siehst: Eine Fülle an Aufgaben. Ist mit Sicherheit jetzt nicht vollständig und abschießend, aber ich glaube, es beschreibt einmal so ein Stück weit – ja, wie soll ich sagen? – den Rahmen, in dem sich die Aufgaben eines Projektleiters bewegen. Und es sind alle eher organisatorischer Art. Da steht nirgendwo, dass er die Toleranzen nachrechnen sollte. Und es geht, wenn ich es zusammenfassen müsste, darum, Menschen zusammenzubringen, für Kommunikation und Entscheidungen zu sorgen, und so das Projekt ein Stück weit voranzubringen.

Eigenschaften, die ein Projektleiter mitbringen sollte

Gehen wir noch einmal ein Stück weiter. Wir haben jetzt über die Rolle gesprochen des Projektleiters, wir haben über die Aufgaben gesprochen. Welche Eigenschaften sollte denn ein Projektleiter haben, damit er das wirklich gut wahrnehmen kann? Und auch da mache ich es in meinen Seminaren so, dass, wenn ich die Aufgaben gesammelt habe, jetzt einfach auch einmal sage „Naja, und welche Eigenschaften sollte denn so ein Mensch haben?“ Und es ist ganz spannend, da kommt eine Liste raus, die eigentlich Superman ganz gut zu Gesichte stehen würde.

Da steht dann zum Beispiel drauf: Er sollte gut führen können, beziehungsweise führungsstark sein. Er sollte kommunikativ sein, diszipliniert, organisiert und strukturiert. Auf der anderen Seite auch kreativ. Was den Teilnehmern immer ganz wichtig ist: Verlässlich und konsequent sollte er sein. Und er sollte in der Lage sein, die Dinge bis zum Ende durchdenken zu können. Er sollte motivierend sein. Und ich bin der Meinung, ein Projektleiter braucht auch ein gutes Maß an Leidensfähigkeit. Eine weitere Eigenschaft, die ich da immer gerne hinzufüge, ist – ich weiß nicht, ob es das Wort wirklich gibt, aber ich mag es – er sollte moderierend sein. Und ich verbinde damit eben jemanden, der nicht seine eigenen Dinge durchsetzt, seine eigene Meinung durchsetzt, sondern sehr stark integriert, die Teammitglieder einbindet, um so gemeinsam die Dinge voranzutreiben.

Er sollte delegieren können, also nicht alles selber machen. Und damit geht glaube ich auch einher, andere Lösungswege zulassen zu können. Für mich bedeutet delegieren, Ziele vorzugeben, und dann durchaus aber den Weg dorthin jedem einzelnen, dem ich die Aufgabe dann übertrage, ein Ziel zu erreichen, dort jedem einzelnen den Weg zu überlassen, wie er dort hinkommt und nicht meinen Weg vorzuschreiben. Eine weitere Eigenschaft, die er glaube ich haben sollte, ist zielstrebig, zielorientiert. Und er sollte ein Stück weit auch durchsetzungsstark sein. Und flexibel. Und da verbinden wir immer wieder auch den Punkt, den ich eben schon erwähnt habe: Andere Lösungen akzeptieren können.

Du siehst: Eine Menge Eigenschaften. Und ich glaube, du brauchst keine Angst haben, denn ich kenne keinen Projektleiter – auch keinen wirklich richtig guten – der all diese Eigenschaften alle gleichzeitig besitzt, und schon gar nicht in gleich großem Maße. Aber ich denke, das macht auch gar nichts. Ganz oft reicht es nämlich, einfach einmal zu sehen, was denn so ein Idealbild ist. Und nichts anderes ist diese Liste mit Eigenschaften, die ich dir eben genannt habe. So ein Idealbild eines idealen Projektleiters vielleicht.

Und es ist gar nicht so wichtig, das zu haben, sondern dieses Bild zu haben und sich immer einmal wieder zu überlegen „Ja, wo stehe ich denn selbst? Was sind denn so meine Eigenschaften? Wie stark sind die denn ausgeprägt? Bin ich denn gerade wertschätzend? Bin ich gerade der Verlässliche, Konsequente im Projekt? Oder bin ich der, der ständig, ja, sich um entscheidet?“ Und mir hilft diese Liste immer einmal wieder so, über mein eigenes Handeln nachzudenken „Welche Eigenschaften habe ich denn gerade besonders stark und welche habe ich denn, ja, weniger stark?“

Fähigkeiten und Kenntnisse

Gut, dann kommen wir doch einmal zu den Fähigkeiten und Kenntnissen, die ein Projektleiter so besitzen sollte. Und dazu habe ich vor einer Weile schon einmal etwas im Podcast gesagt. Ich glaube, es ging in der Folge „Was ist eigentlich Projektmanagement?“ genau um dieses Thema. Und ich hatte meine Gedanken damals zusammengefasst in einem Bild, und das war die Projektmanagementpyramide. Und dort habe ich im Prinzip so die Fähigkeiten – ich habe es irgendwann einmal Fähigkeitsrahmen genannt – die ein Projektleiter aus meiner Sicht denn gerne haben darf.

Das Bild der Pyramide gefällt mir ganz gut, weil es bildet eben drei Ebenen ab. Von unten nach oben haben wir eben unten das Fundament, ja, ich würde es einmal Basisfähigkeiten nennen. Dann haben wir in der zweiten Ebene – das ist die Ebene in der Mitte – etwas, das ich ganz gerne Zusammenarbeitsfähigkeiten nenne. Ich habe leider kein schönes anderes Wort, vielleicht hast du eines. Lass es mich gerne wissen. Und ganz oben in der Spitze der Pyramide sind Dinge angeordnet, Fähigkeiten, die ich gerne Reflektionsfähigkeiten nenne.

Basisfähigkeiten

Fangen wir einmal unten an noch einmal. Basisfähigkeiten. Was gehört da dazu? Da gehören für mich alle Fähigkeiten, alle Kenntnisse dazu, die sich so in diesen Projektmanagementfachbereichen tummeln. Also Terminplanerstellung, Risikoanalyse, diese ganzen Instrumente und Methoden, die du lernen kannst, wenn du ein Projektmanagementseminar oder einen Onlinekurs besuchst. Das ist auch glaube ich da das beste Instrument, um hier voranzukommen. Also wie erstelle ich eine Projektstruktur? Wie erstelle ich ein Gantt-Diagramm? Und so weiter und so fort.

Ich glaube auch zu den Basisfähigkeiten gehört es so ein Stück weit, Fachwissen und Fähigkeiten in deinem jeweiligen Fachbereich zu haben. Ich habe es dir schon erzählt, ich bin Ingenieur. Und ja, die Projekte, in denen ich arbeite, in denen ich coache, in denen ich Projektleiter bin, sind in der Regel technische Projekte. Das heißt, meine Kunden sind die klassischen Maschinenbauer. Dort kenne ich mich aus, das ist mein Fachgebiet, da habe ich sozusagen den Stallgeruch, ich spreche die Sprache, und ich verstehe natürlich auch die Probleme meiner Entwickler. Würde ich jetzt im Versicherungs- und Bankenbereich arbeiten, hätte ich dieses Wissen nicht. Und genau das ist das, was ich damit meine. So ein gutes, fundiertes Fachwissen im jeweiligen Bereich. Ich glaube, du musst nicht der beste Entwickler sein, du musst nicht der beste Systemingenieur sein. Es reicht, wenn du Grundwissen in dem jeweiligen Bereich hast.

Und zu den Basisfähigkeiten, um das vielleicht noch einmal so ein bisschen abzurunden, gehören für mich auch so Tool-Kenntnisse. Ne? Also ich finde, man sollte ordentlich MS Project bedienen können, zum Beispiel auch ein SAP PS, also ein Projektsystem, oder sollte, ja, relativ gut darin sein, Dinge in Excel abbilden zu können, weil das glaube ich immer noch eines der wesentlichen Instrumente ist, um, ja, Dinge in Projekten transparent zu machen und damit natürlich auch so ein Stück weit zu steuern.

Zusammenarbeitsfähigkeiten

Zu den Zusammenarbeitsfähigkeiten – du erinnerst dich, das ist so die Ebene in der Mitte – zähle ich alle Dinge, die es uns eben ermöglichen, im Team zu arbeiten, die Zusammenarbeit ermöglichen, die Kommunikation ermöglichen. Und wenn ich jetzt da durchgehen würde, dann sollte ein Projektleiter führen können. Also er sollte Fähigkeiten im Bereich Führung haben. Er sollte moderieren können. Das ist jetzt so mit Sicherheit so ein bisschen an der Schnittstelle zu den Basisfähigkeiten. Also er sollte, Moderationstechniken beherrschen und sollte das aber auch glaube ich in seinem Arbeitsalltag integriert haben. Er sollte präsentieren können.

Er sollte Fähigkeiten und Wissen zur Kommunikation besitzen. Also wie funktioniert Kommunikation? Was ist dabei wichtig, dass es besonders gut funktioniert? Und so weiter und so fort. Ich denke, er sollte Fähigkeiten und Wissen im Bereich Organisation haben. Warum sind bestimmte Dinge so organisiert, wie sie sind? Und was daran funktioniert gut und was funktioniert weniger gut? Und er sollte in der Lage sein, sein Team zu managen. Damit einher gehen natürlich auch Fähigkeiten und Wissen zu Teamdynamik.

Reflektionsfähigkeiten

Kommen wir einmal zu der Ebene ganz oben. Reflektionsfähigkeiten, das sind Fähigkeiten, wenn ich die bündeln müsste, die sich sehr stark auf den einzelnen Projektleiter beziehen. Also weniger auf das Team, eher so, ja, auf die Person des Projektleiters. Hier geht es zum Beispiel um das Selbstverständnis und auch das Rollenverständnis. Also was ist denn meine Rolle als Projektleiter? Was ist denn die Rolle des Teams? Was ist auch mein Selbstverständnis als Projektleiter?

Also die Fähigkeit zu haben, sich hier Gedanken zu machen. Auch die Fähigkeit eines Projektleiters, sich Gedanken zu machen: Was sind denn meine eigenen Werte und Glaubenssätze? Und warum handle ich denn so? Und ich denke auch, in diesen Bereich gehört so etwas wie so eine personale Kompetenz. Also Selbstsicherheit, Gelassenheit, Ehrlichkeit, das sind alles Dinge, die da reingehören.

Wie kannst Du das erlernen?

Wenn wir jetzt einmal kucken, wie wir denn diese einzelnen Fähigkeiten erlangen können, dann glaube ich, dass für Basisfähigkeiten, Projektmanagementseminare, Onlinekurse, Onlinetutorials und so weiter glaube ich eine sehr gute Wahl sind, um da ein bisschen voranzukommen.

Bei den Zusammenarbeitsfähigkeiten gibt es dann schon wieder spezielle Seminare, gerade wenn ich an den Bereich Führung, Moderation, Präsentation denke. Da wirst du auch hierbei, bei den Podcasts, gut fündig. Hier hilft aber glaube ich auch schon das Thema Coaching und Mentoring.

Wenn wir zu den Reflektionsfähigkeiten nach oben steigen auf die oberste Ebene, dann kommen wir mit Seminaren glaube ich nicht mehr wirklich weit, weil es hier natürlich die Arbeit an einem selbst ist. Und ich bin der Meinung, dass hier die Unterstützung eines Coaches wirklich gut helfen kann, eines Mentors, und auch der Austausch mit anderen Projektleitern, für mich auch wieder hier der Begriff Supervision, also dieses gegenseitige Unterstützen und dieses gegenseitige Reflektieren.

Die Projektmanagement-Pyramide

Das E-Book, das ich dazu glaube ich in der letzten Episode schon angekündigt hatte, ist mittlerweile auch fertig. Also es ist eher nur ein E-Booklet, sind nur ein paar Seiten, auf denen ich die Gedanken, die ich dir jetzt eben formuliert habe, auch noch einmal schriftlich darlege. Das E-Book zur Projektmanagement-Pyramide kannst du dir mittlerweile runterladen, den Link dazu findest du einfach in den Show-Notes, also einfach dort einmal nachschauen.

Du siehst also, dass ein Projektleiter nicht unbedingt die Toleranzen einer Konstruktion nachrechnen muss. Ich glaube, das ist auch nicht schlimm, wenn man das nicht kann – eher im Gegenteil. Ist aber auch nicht die Voraussetzung, um Projekte wirklich erfolgreich zu führen. Es gibt andere Fähigkeiten, andere Eigenschaften, andere Aufgaben, die da zu erledigen sind, damit wir einen Beitrag leisten können, dass die Projekte erfolgreich werden.

Und falls es dich interessiert: Die Toleranzen, die der Projektleiter da nachgerechnet hatte, die waren übrigens in Ordnung. Der Konstrukteur hatte wirklich gute Arbeit geleistet.

Fragen zum Nach- und Weiterdenken

Ja, und damit möchte ich dich nun am Ende der Episode ja wieder mit meinen Fragen zum Weiterdenken in den, Arbeitstag, Feierabend oder ins Wochenende schicken, je nachdem, wo du gerade bist und den Podcast hörst. Und ich möchte dich vielleicht einmal so ein bisschen anregen, nachzudenken – zum einen mit der Frage, welche Aufgaben du denn den ganzen Tag so machst. Und gehören die alle zu deiner Rolle als Projektleiter? Und vielleicht magst du einmal drüber nachdenken, welche anderen Rollen du denn noch so hast in deinem Projekt und wie denn so die Verteilung ist. Womit beschäftigst du dich denn hauptsächlich? Und da bin ich sehr gespannt auf deine Überlegungen.

 

Dein Feedback

Du hast Fragen, Kommentare oder Anregungen zu dieser Episode oder zum Podcast? Dann schreibe mir einfach eine E-Mail an: joerg.walter@projektmanagement-maschinenbau.de

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